Aus der Ferne aufklären und operieren:

Der Weltraum als Wirkungsdimension der Dienste

Die Erfahrungen aus dem viereinhalbjährigen Verteidigungskrieg der Ukraine gegen die russische militärische Aggression wie auch die dramatischen Ereignisse im Mittleren Osten haben die zentrale Bedeutung des Weltraums für Aufklärung, Angriff und Verteidigung drastisch vor Augen geführt.

Die Auftragserfüllung moderner Nachrichtendienste als strategische wie taktische Frühwarn- und Führungssysteme wäre nicht möglich ohne eine leistungsfähige und robuste Präsenz im Weltall. Aus der strategischen Spionage über einzelne Satelliten in Zeiten des Kalten Krieges und auch danach hat sich seit der Jahrausendwende ein globales Netzwerk aus Sensoren und Kommunikationssystemen im All mit enormem, auch privatwirtschaftlich organisiertem (Starlink) Wachstumspotential entwickelt. Alle im Weltraum engagierten Mächte sehen dort nicht nur mehr, sie verstehen und antizipieren auch schneller. Für den militärischen Bereich ist der Orbit zur entscheidenden Dimension moderner Kriegsführung bis hin zur Luftverteidigung und der taktischen Operationsführung geworden.

Umfassende leistungsstarke Sensorik, der verzugslose Transfer von Massendaten aus dem All zu terrestrischen Analyseeinheiten wie auch deren Befähigung zu deren KI-gestützter Auswertung in Echtzeit werden zu entscheidenden Überlegenheitsfaktoren für politische, militärische, sicherheitliche und wirtschaftliche Entscheidungsprozesse. Informationsüberlegenheit generiert Handlungsüberlegenheit und damit Überlebens- und Zukunftsfähigkeit unserer liberalen Werte- und Gesellschaftsordnungen.

Mittlerweile entwickelt sich ein Wettkampf um die besten Operationsbedingungen im Weltall. Beinahe 15.000 Satelliten befinden sich derzeit in der Erdumlaufbahn, mit der Tendenz zu dramatischen Steigerungen. Hierbei ist offensichtlich, dass wann immer sich die Kräfteverhältnisse auf der Erde neu ordnen, auch das Risiko von Konfrontationen im All gefährliche Formen annimmt. Für Europa, für Deutschland bedeutet dies, dass das Weltall als sicherheitspolitisch entscheidender Raum massiv in den Fokus zu nehmen sein wird, in dem gerade auch die Fähigkeiten der Nachrichtendienste und des Militärischen Nachrichtenwesens der Bundeswehr zur umfassenden Aufklärung, Lagefeststellung und Lagebeurteilung in Echtzeit entwickelt werden müssen.

Die sicherheitspolitische Zeitenwende hat mittlerweile auch die Nachrichtendienste Deutschlands erreicht. Die Bundesregierung hat hier mit einem umfassenden Gesetzentwurf zur Reform des Nachrichtendienstrechts neue Maßstäbe gesetzt. Im Zentrum steht der Imperativ, die Nachrichtendienste angesichts existenzieller sicherheitspolitischer Herausforderungen und Gefährdungen zu befähigen, im Zusammenwirken mit Partnern und Freunden die erforderlichen Informationen zu beschaffen und wo nötig bereits im Vorfeld erkannten Bedrohungen durch gegnerische Geheimdienste und andere asymmetrisch agierende feindliche Akteure angemessen entgegenzuwirken.

Mit den erweiterten Befähigungen einher gehen erweiterte administrative, rechtliche und politische Kontroll- und Freigabemechanismen, mit denen Missbrauch und fahrlässigem Umgang entgegengewirkt werden sollen, ohne hierbei der Handlungsfähigkeit im begründeten Einzelfall in Frage zu stellen.

Das Spannungsverhältnis zwischen bedrohungsadäquaten Befähigungen, deren Einhegungen und Kontrolle im Interesse des elementaren Grundrechtsschutzes wird aktuell im Gesetzgebungsprozess und unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft bis Ende 2026 zu justieren sein.

All dies ist mehr als genug Gesprächsstoff für die anstehende Nachrichtendienstkonferenz – Seien Sie dabei!

Reconnaissance and operations from and in space

Operational Domain for Intelligence Services

The experiences from Russia’s war against Ukraine, along with recent events in the Middle East, have clearly highlighted the crucial role of space in reconnaissance, attack, and defence.

Meanwhile, the Federal Government is reviewing the current structures and legal framework governing German intelligence services. These changes have been eagerly awaited in security circles. Both the Office for the Protection of the Constitution (BfV) and the police have repeatedly criticised how cumbersome their cooperation can be.

Modern intelligence services could not fulfil their role as strategic and tactical early-warning and command-and-control systems without a capable and robust presence in space. Since the turn of the millennium, strategic espionage once limited to individual satellites during the Cold War has become a global network of sensors and communications, with enormous growth potential, including private-sector initiatives such as Starlink. All powers active in space gain greater awareness and can anticipate developments more quickly. In the military sphere, orbit has become a decisive arena for modern warfare, extending to air defence and tactical operations.

High-performance sensors, the rapid transfer of large amounts of data from space to ground-based analysis units, and the ability to conduct AI-supported real-time analysis are now key to gaining an advantage in political, military, security, and economic decision-making. Information superiority leads to operational superiority, which in turn ensures the survival and sustainability of our liberal values and social order.

Competition is intensifying for the best operational conditions in space. Nearly 15,000 satellites currently orbit Earth, and that number is set to rise dramatically. As the balance of power on Earth shifts, the risk of confrontations in space also grows. For Europe, and especially Germany, this means that space, as a critical security domain, must be given top priority, with particular focus on developing the capabilities of intelligence services and the Bundeswehr’s military intelligence for comprehensive reconnaissance, situational assessment, and real-time evaluation.

This turning point in security policy has also reached Germany’s intelligence services. The Federal Government has responded with a comprehensive draft bill to reform intelligence legislation. At its core, the aim is to empower intelligence services, faced with existential security challenges, to gather the necessary information in cooperation with partners and allies and, where necessary, to counter threats identified in advance from hostile intelligence agencies and other asymmetrical actors.

These expanded powers are accompanied by strengthened administrative, legal, and political controls and authorisation mechanisms, designed to prevent abuse and negligence without undermining the ability to act in justified individual cases.

Striking the right balance between having the capabilities needed to address threats and maintaining restrictions to protect fundamental rights will need to be carefully fine-tuned during the legislative process, with input from civil society, by the end of 2026.

All of this offers more than enough material for discussion at the upcoming Intelligence Services Conference—join us!

The organiser notes that essential parts of the event will be held under Chatham House Rule

Please pay attention to the signs at the event